Manche Streamer jagen den nächsten großen Gaming-Hype. JanPlay__ jagt lieber Sekunden – oder ein einziges andersfarbiges Pokémon, das sich erst nach Tausenden Versuchen zeigen möchte.
Der 19-jährige Twitch-Streamer aus der Steiermark hat sich vor allem mit Nintendo-Spielen eine kleine, engagierte Community aufgebaut. Auf seinem Kanal treffen Pokémon und Zelda auf Mario Kart und anspruchsvolle Speedruns in Super Mario Odyssey. Doch wer bei Jan einschaltet, bekommt nicht nur Gameplay: Während eines Shiny Hunts oder in den ruhigeren Momenten eines Speedruns spricht er mit seiner Community über Filme, Serien, Medienkultur, Paläontologie und allerlei Wissen, das man im Alltag vermutlich nicht unbedingt braucht – aber trotzdem gern mitnimmt.
Besonders bemerkenswert: Obwohl Jan erst 19 Jahre alt ist, streamt er bereits seit fast sechs Jahren. Angefangen hat alles mit LEGO-Stop-Motion-Videos und der integrierten Streamingfunktion seiner PlayStation 4. Heute absolviert er parallel zur Schule mehrstündige Streams, trainiert Speedrun-Routen und arbeitet an seinen eigenen Overlays und Emotes.
Im neuen Friends-of-Flow-Interview sprechen wir über seine Anfänge auf YouTube, den Wechsel zu Twitch, seine persönliche Bestzeit in Super Mario Odyssey, 3.469 Versuche für ein Shiny Froxy und die Frage, wie man Schule und Streaming miteinander vereinbart.

„Beim Shiny Hunting sitze ich im Grunde stundenlang vor dem Bildschirm und warte darauf, dass endlich das andersfarbige Pixel erscheint.“
JanPlay
Inhaltsverzeichnis
Set Card zu JanPlay

- Name: Jan
- Alter: 19 Jahre
- Herkunft: Steiermark, Österreich
- Aktuell: Schüler, Matura voraussichtlich 2027
- Plattform: hauptsächlich Twitch
- Content-Fokus: Pokémon, Shiny Hunting, Super Mario Odyssey Speedruns, Mario Kart, Zelda und weitere Nintendo-Spiele
- Streamsprache: Deutsch und Englisch
- Streaming-Erfahrung: fast sechs Jahre
- Persönliche Bestzeit in Super Mario Odyssey: 1:14:30
- Community-Vibe: familiär, wissbegierig, humorvoll und interaktiv
- Fun Fact: Jan hat am 1. Januar Geburtstag und bringt gern spontan Wissen über Dinosaurier, Filme oder Serien in seine Streams ein
JanPlay ist hauptsächlich auf Twitch aktiv. Dort erwarten euch Nintendo-Games, Pokémon-Challenges, Shiny Hunts, Speedruns und viele Gespräche mit seiner Community.
Interview mit JanPlay
Wer ist JanPlay?
STFlow: Stell dich den Leserinnen und Lesern doch zunächst einmal selbst vor. Wer ist JanPlay und was erwartet die Leute auf deinem Twitch-Kanal?
JanPlay: Ich bin Jan, 19 Jahre alt und komme aus Österreich. Auf meinem Kanal bin ich vor allem in der Nintendo-Richtung unterwegs. Das hat sich so entwickelt, weil ich früher sehr viel Pokémon gespielt habe. Pokémon ist bis heute ein wichtiger Bestandteil meines Contents, aber ich streame auch Mario, Zelda und andere Spiele.
Eines meiner ersten größeren Spiele auf dem Kanal war Mario Kart. Das habe ich anfangs sehr viel gestreamt, inzwischen ist es etwas weniger geworden.
Gerade bei Formaten wie Shiny Hunts geht es mir stark um das Quatschen und den Austausch mit der Community. Ich gebe auch gern Wissen weiter – manchmal nützliches, manchmal eher unnützes. Daraus entstehen dann häufig Insider und Running Gags.
Ich interessiere mich beispielsweise sehr für Medienkultur, Filme und Serien, aber auch für Paläontologie und Dinosaurier. Solche Themen bringe ich eigentlich in fast jeden Stream mit ein.
Vor Kurzem war ich zum Beispiel im Naturhistorischen Museum in Wien und habe dort einiges über den Struthiosaurus austriacus gelernt. Genau solche Fakten erzähle ich dann auch gern im Stream.
Mit 14 Jahren angefangen – und fast nie wirklich aufgehört
STFlow: Wie lange streamst du inzwischen?
JanPlay: Das ist eigentlich schon ziemlich „insane“: Ich streame seit fast sechs Jahren. Mit ungefähr 14 Jahren habe ich meine ersten Versuche gemacht.
Seitdem hatte ich zwar immer mal wieder Pausen, aber eigentlich nie länger als zwei oder drei Monate. Streaming begleitet mich also schon einen ziemlich großen Teil meines Lebens.
STFlow: Woher stammt der Name JanPlay__?
JanPlay: Mein erster Name war tatsächlich „Jantendo“, angelehnt an Domtendo. Irgendwann wollte ich aber einen Namen haben, der nicht ganz so ähnlich klingt und mich auch nicht ausschließlich auf Nintendo festlegt.
Ich wollte mir die Möglichkeit offenhalten, auch andere Dinge außerhalb des Nintendo-Universums zu spielen. So entstand JanPlay: Jan spielt einfach das, worauf er gerade Lust hat – ohne sich für immer auf ein bestimmtes Spiel oder Franchise festzulegen.
STFlow: Trotzdem bist du heute vor allem auf Twitch unterwegs. Warum hast du dich für die Plattform entschieden?
JanPlay: Meine allerersten Streams waren gar nicht auf Twitch, sondern auf YouTube. Ich habe dafür die eingebaute Streamingfunktion der PlayStation 4 verwendet und unter anderem Fortnite mit Freunden gestreamt.
Bei YouTube fand ich es aber umständlich, dass für einen Livestream entweder irgendein zufälliges Bild als Thumbnail verwendet wurde oder man vorher selbst eines erstellen musste. Das war mir damals zu aufwendig.
Dann habe ich Twitch ausprobiert. Dort haben mir die Funktionen mit Emotes und später natürlich auch Alerts, Kanalpunkten und anderen Interaktionsmöglichkeiten besser gefallen. Deshalb bin ich dort geblieben.
Schule, Matura und ein durchgeplanter Alltag
STFlow: Du kommst aus der Steiermark und bist noch Schüler. In welcher Phase befindest du dich gerade?
JanPlay: Ich bin gerade auf dem Weg zur Matura, also dem österreichischen Abitur. Wenn alles nach Plan läuft, schreibe ich sie 2027.
STFlow: Wie sieht ein normaler Tag bei dir aus?
JanPlay: Das hängt stark davon ab, in welcher Phase des Jahres wir uns befinden. Als Schüler habe ich natürlich Ferien, in denen deutlich mehr Zeit zur Verfügung steht.
Während der Schulzeit stehe ich meistens zwischen sechs und sieben Uhr auf. An manchen Tagen bin ich bis etwa 14 Uhr in der Schule, an anderen sogar bis 18 Uhr. Meine Hobbys muss ich entsprechend um diesen Stundenplan herum organisieren.
Für einen Stream plane ich meistens zwischen zwei und vier Stunden ein. Wie lange es tatsächlich wird, hängt dann auch davon ab, wie motiviert oder müde ich bin. In den Ferien ist es natürlich deutlich einfacher, längere Streams unterzubringen.
STFlow: Wie organisierst du Schule, Privatleben und Streaming?
JanPlay: Ich teile mir meine Woche normalerweise am Anfang der Woche ein. Ich schaue zuerst, was in der Schule ansteht, was ich privat erledigen möchte und an welchen Tagen Zeit zum Streamen bleibt.
Dann überlege ich mir auch, worauf ich überhaupt Lust habe. Es bringt nichts, einen Stream einzuplanen, auf den man eigentlich gar keinen Bock hat. Meistens halte ich mich aber ziemlich gut an den Plan.
STFlow: Wissen deine Mitschüler, dass du streamst?
JanPlay: Ich rede in der Schule nicht besonders offen darüber. Meine Freunde wissen es natürlich. Ich glaube allerdings, dass inzwischen fast jeder an der Schule zumindest schon einmal von meinen Streams oder meinem TikTok-Account gehört hat.
Ob meine Lehrer ebenfalls davon wissen, würde mich tatsächlich selbst interessieren.
STFlow: Wie reagiert deine Familie auf das Streaming?
JanPlay: Das kommt ein bisschen darauf an, wen man fragt. Einige aus meiner Familie unterstützen mich sehr aktiv und sind auch regelmäßig im Stream dabei.
Von LEGO-Stop-Motion zu Fortnite-Livestreams
STFlow: Wie bist du ursprünglich auf die Idee gekommen, selbst Content zu veröffentlichen?
JanPlay: Bevor ich mit dem Streaming angefangen habe, habe ich auf meinem Handy Stop-Motion-Videos mit LEGO produziert. Die wollte ich gern veröffentlichen. Ich habe mit meinen Eltern darüber gesprochen und die ersten Videos hochgeladen.
Irgendwann dachte ich mir dann: Streamen könnte eigentlich auch lustig sein.
Ich habe mich ein bisschen eingelesen und dabei entdeckt, dass man direkt über die PlayStation 4 streamen kann. Also habe ich alles eingerichtet und es einfach auf YouTube ausprobiert. Dort habe ich unter anderem gemeinsam mit Freunden Fortnite gespielt.
STFlow: Erinnerst du dich noch an deinen allerersten Stream?
JanPlay: Leider nicht mehr wirklich.
STFlow: Was würdest du mit deiner heutigen Erfahrung anders machen?
JanPlay: Ich würde von Anfang an mehr Zeit in die Qualität investieren. Über die vergangenen Jahre habe ich sehr viel gelernt.
Direkt über die PlayStation zu streamen, würde ich heute nicht mehr machen. Dort sind die Möglichkeiten einfach sehr eingeschränkt. Man kann im Grunde das Spiel, die PlayStation-Kamera und vielleicht noch ein vorgefertigtes schwarzes Overlay verwenden. Viel mehr geht nicht.
Alerts, Kanalpunkte und andere Spielereien fehlen. Genau solche Dinge probiere ich aber besonders gern aus. Sie machen einen Stream interaktiver und können die Qualität deutlich anheben.
STFlow: Existieren noch Aufnahmen aus dieser Zeit?
JanPlay: Von meinem alten Kanal müsste tatsächlich noch mindestens ein VOD existieren. Das trägt einen sehr klassischen Titel wie „Fortnite Live Event Deutsch | Jetzt Live“.
STFlow: Könntest du dir das heute noch anschauen?
JanPlay: Ja – aber wahrscheinlich nur mit einem Dauergrinsen vor Fremd- beziehungsweise Selbstscham.
Warum Nintendo bis heute geblieben ist
STFlow: Warum spielt Nintendo auf deinem Kanal eine so große Rolle?
JanPlay: Ich bin einfach damit aufgewachsen.
Ich gehöre zu einer Generation, die stark mit YouTube groß geworden ist. Dort hat man sich Creator gesucht, zu denen man aufgeschaut hat. Bei mir war das damals vor allem Domtendo. Er hat sehr viel Nintendo-Content produziert, und besonders Mario hat mich interessiert.
Als Super Mario Odyssey erschien, habe ich außerdem viele Videos von Huebi gesehen. Er hat Challenges, Speedruns und Mods gezeigt. Irgendwann dachte ich: Das möchte ich auch ausprobieren.
Vor ungefähr drei Jahren habe ich dann meinen ersten eigenen Speedrun hochgeladen.
STFlow: Und woher kommt die starke Verbindung zu Pokémon?
JanPlay: Pokémon spiele ich eigentlich, seit ich denken kann. Meine Großmutter hatte noch den Game Boy meines Onkels mit Pokémon Blau und Pokémon Gold. Wenn ich bei ihr übernachtet habe, habe ich sehr viel damit gespielt.
Meine Freunde aus der Grundschule – einige der wichtigsten Freunde in meinem Leben – haben mir später die damals moderneren Spiele gezeigt, unter anderem Pokémon Omega Rubin.
Pokémon Sonne war dann das erste modernere Pokémon-Spiel, das wirklich mir selbst gehörte. Dadurch habe ich mich endgültig in die Reihe verliebt und angefangen, viele ältere Teile nachzuholen.
Nintendo-Nische ohne bewusste Nischenstrategie
STFlow: Viele Streamer wechseln ständig zwischen aktuellen Spielen. Dein Kanal wirkt dagegen recht fokussiert. War das eine bewusste Entscheidung?
JanPlay: Eigentlich nicht. Viele Spiele, auf die sich andere Menschen riesig freuen, holen mich einfach nicht ab. Bei GTA VI fehlt mir beispielsweise der persönliche Bezug. GTA V habe ich ausprobiert, aber nach drei bis fünf Stunden wieder weggelegt.
Mich begeistern häufig Spiele, zu denen ich bereits außerhalb des Spiels eine Verbindung habe. Ich liebe beispielsweise Star Wars. Deshalb habe ich die LEGO-Star-Wars-Skywalker-Saga komplett im Stream durchgespielt.
Auch Marvel’s Spider-Man 2 habe ich gespielt. Solche Spiele führen mich durchaus aus der Nintendo-Bubble heraus. Star Wars Jedi: Fallen Order habe ich wiederum offline gespielt.
Mein erstes Spiel, das ich wirklich aktiv auf Twitch gestreamt habe, war sogar Star Wars Battlefront II. Es ist also nicht so, dass ich ausschließlich Nintendo spielen möchte. Es muss mich einfach persönlich interessieren.
Die Faszination hinter dem Speedrunning
STFlow: Was findest du am Speedrunning so faszinierend?
JanPlay: Anfangs habe ich Speedruns vor allem geschaut, weil ich Hügi als Creator cool fand. Irgendwann ist mir aber aufgefallen, wie anders das Gameplay eines Speedrunners im Vergleich zu einem normalen Spieldurchlauf aussieht.
Das Movement ist viel schneller und präziser. Man sieht Dinge und denkt sich: Wie ist das überhaupt möglich?
Dazu kommen Glitches, bei denen ich mich regelmäßig frage, wie irgendjemand sie ursprünglich entdeckt hat. Super Mario Odyssey lässt sich beispielsweise unglaublich schnell durchspielen, wenn man die Route und das Movement beherrscht.
Auch Mario Kart Wii ist in dieser Hinsicht faszinierend. Das Spiel hat teilweise völlig verrückte Glitches und ist wahrscheinlich eines der kaputtesten Mario-Kart-Spiele überhaupt. Genau deshalb liebe ich es.
Warum Super Mario Odyssey das perfekte Speedrun-Spiel für Jan ist
STFlow: Warum hast du dich gerade für Super Mario Odyssey entschieden?
JanPlay: Es war mein erstes richtiges 3D-Mario. Deshalb habe ich eine besondere emotionale Bindung zu dem Spiel.
STFlow: Woran erkennst du für dich einen guten Run?
JanPlay: Ein guter Run muss nicht zwangsläufig mit einer neuen persönlichen Bestzeit enden.
Viele Runs breche ich bereits nach zehn Minuten ab, wenn mir im frühen Teil zu viele Fehler passieren. Das Early Game gehört wahrscheinlich zu meinen Lieblingsabschnitten. Wenn ich diesen Teil gut überstehe, spiele ich den Run meistens auch bis zum Ende.
In einem meiner jüngeren Runs lag ich zeitweise ungefähr zwei Minuten unter meiner bisherigen Bestzeit und konnte in einer einzelnen Passage noch einmal rund 40 Sekunden herausholen. Solche Momente zeigen mir, dass immer noch sehr viel Potenzial vorhanden ist.
Dadurch entsteht sofort wieder die Hoffnung, dass einer der nächsten Runs eine neue Bestzeit werden könnte.
Training, Speicherstände und sehr viel Muscle Memory
STFlow: Wie trainiert man eigentlich für einen Speedrun?
JanPlay: Ich habe keinen festen Trainingsplan. Manchmal plane ich einfach einen Stream, in dem ich das Spiel mehrfach durchspiele.
Für bestimmte Stellen besorge oder erstelle ich mir spezielle Speicherstände. Dann kann ich beispielsweise den letzten Bosskampf immer wieder laden und gezielt trainieren, ohne jedes Mal das gesamte Spiel durchlaufen zu müssen.
Zusätzlich schaue ich YouTube-Tutorials, um bestimmte Tricks nachzubauen. Danach wiederhole ich sie so lange, bis sie auch in einem vollständigen Run zuverlässig funktionieren.
Speedrunning besteht zu einem sehr großen Teil aus Muscle Memory. Die Bewegungsabläufe müssen irgendwann automatisch funktionieren.
Von 1:20 auf 1:14 in wenigen Wochen

STFlow: Deine persönliche Bestzeit in Super Mario Odyssey liegt inzwischen bei 1:14:30. Wie viel Arbeit steckt darin?
JanPlay: Vor ungefähr drei Jahren lag meine Bestzeit noch bei etwa 1:20. Danach habe ich lange kaum etwas daran verändert und eine größere Pause eingelegt.
Vor einigen Monaten hatte ich plötzlich wieder richtig Lust darauf. Ich schaute mir meinen alten Speedrun an und merkte dabei, dass ich die Route teilweise gar nicht mehr richtig im Kopf hatte. Gleich am Anfang habe ich beispielsweise einen Mond vergessen.
Als die Route wieder saß, bemerkte ich allerdings, dass ich in vielen Passagen plötzlich besser war als früher. Innerhalb von ein bis zwei Wochen kam zunächst die 1:16 und kurz danach direkt die 1:14.
STFlow: Erinnerst du dich noch an deine erste Zeit, die du offiziell hochladen wolltest?
JanPlay: Sehr gut sogar. Ich hatte damals bereits ungefähr zwei Monate trainiert und mir vorgenommen, meinen Lauf auf Speedrun.com hochzuladen, sobald ich unter 1:30 komme.
Dann hatte ich eine Zeit von ungefähr 1:30:01. Das hat mich so sehr geärgert, dass ich erst einmal einige Wochen gar nichts mehr gemacht habe.
Irgendwann fing ich wieder an. Zunächst gingen mehrere Runs schief – und dann hatte ich plötzlich einen Lauf von ungefähr 1:24. Das war ein unglaubliches Gefühl.
Damals habe ich noch ohne Facecam gestreamt. Ich weiß aber noch genau, wie sehr meine Hände nach diesem Erfolg gezittert haben.
STFlow: Gibt es Tage, an denen du schon vor dem Stream merkst: Heute könnte eine neue Bestzeit fallen?
JanPlay: Nein, dieses Gefühl habe ich eigentlich nicht. Ich starte nicht mit dem Gedanken, heute unbedingt einen Rekord aufstellen zu müssen.
Ich übe, weil ich besser werden möchte. Die persönliche Bestzeit entsteht dann irgendwann aus diesem Training heraus.
Speedrun und Chat gleichzeitig: zwei konkurrierende Prioritäten
STFlow: Wie schwierig ist es, einen konzentrierten Speedrun zu spielen und gleichzeitig mit dem Chat zu sprechen?
JanPlay: Sehr schwierig – aber ich habe mir dafür mit der Zeit eine gewisse Technik angewöhnt.
Ich nutze ein Zwei-Monitor-Setup. Auf dem zweiten Monitor laufen der Timer, OBS und der Chat. Inzwischen kann ich viele Nachrichten aus dem Augenwinkel lesen, den Kontext schnell erfassen und darauf antworten.
Bei längeren Nachrichten warte ich auf eine nicht überspringbare Cutscene oder eine andere ruhige Stelle. Dann lese ich sie vollständig und beantworte sie, sobald ich weiterspielen kann.
Ein Zuschauer hat sich einmal darüber aufgeregt, dass ich während des Runs überhaupt in den Chat schaue. Ihm war aufgefallen, dass ich schlechter spiele, sobald ich zu viel mit dem Chat interagiere. Er ist trotzdem bis heute ein treuer Zuschauer.
Während eines ernsthaften Runs liegt meine erste Priorität auf dem Spiel und die zweite auf dem Chat. Manchmal stolpere ich beim Antworten deshalb auch über meine eigenen Sätze.
Exklusiver Blick hinter die Kulissen: Jans Streaming-Arbeitsplatz
Wie sieht eigentlich die Perspektive von JanPlay aus, wenn er für Euch streamt?
Für unser Interview bei Friends of Flow hat Jan uns einen exklusiven Blick auf seinen Streamings-Arbeitsplatz ermöglicht und uns dieses Bild zukommen lassen. Hier seht ihr, wie Eure Chatnachrichten zu Jan kommen, dass er nicht nur eine, sondern sogar zwei Switches am Start hat und dass sein Arbeitsplatz nicht nur hinter der Kamera voll mit coolen Klemmbaustein-Sets ist.

Shiny Hunting: stundenlang auf ein andersfarbiges Pixel warten

STFlow: Viele Menschen kennen Pokémon, aber nicht unbedingt das Shiny Hunting. Was genau macht man dabei?
JanPlay: Humorvoll ausgedrückt sitze ich stundenlang vor dem Bildschirm, um irgendwann das andersfarbige Pixel zu finden.
Ein Shiny ist eine seltene Farbvariante eines Pokémon. Je nach Spiel sind die Chancen extrem niedrig. Dadurch werden diese Pokémon zu einer Art Prestigeobjekt. Man zeigt, wie viel Zeit und Ausdauer man in die Suche investiert hat.
Es gibt Menschen in der Community, die versuchen, einen vollständigen Shiny-Pokédex aufzubauen.
Wenn dann tatsächlich ein Shiny erscheint, bekommt man einen richtigen Dopamin-Kick. Für mich ist das Glücksgefühl besonders groß, wenn ich sehr lange gesucht habe. Je länger der Hunt dauert, desto intensiver ist am Ende der Fund.
Mein längster Hunt war ein Starter-Hunt nach einem Shiny Froxy. Ein einzelner Reset dauerte ungefähr zweieinhalb Minuten. Insgesamt habe ich 3.469 Versuche gebraucht.
Der erste große Shiny-Moment auf dem Rücksitz

STFlow: Wie bist du auf das Shiny Hunting aufmerksam geworden?
JanPlay: Das war ungefähr zu der Zeit, als ich in Deutschland die sechste Klasse besucht habe. Ich hatte einen Freund, mit dem ich sehr viel Pokémon spielte.
Der YouTuber ZeroOfTime produzierte damals Shiny-Hunt-Videos. Das faszinierte mich, weil ich selbst noch nie bewusst ein Shiny besessen hatte. Ein schwarzes Glurak oder andere besondere Varianten wollte ich natürlich ebenfalls haben.
Also begann ich einen Starter-Hunt nach einem Shiny Hydropi. Ich bekam es nach weniger als 1.000 Versuchen und kann mich bis heute genau an diesen Tag erinnern.
Ich war mit meinen Großeltern bei McDonald’s. Auf der Rückfahrt saß ich hinten im Auto, als Hydropi plötzlich als Shiny erschien. Ich habe so laut geschrien, dass sich meine Großeltern richtig erschrocken haben. Danach musste ich ihnen erst einmal erklären, was gerade passiert war.
Richtig intensiv habe ich später in Pokémon: Let’s Go, Pikachu! und Let’s Go, Evoli! gehuntet. Dort konnte man die Shinys direkt in der Spielwelt sehen. Das fand ich sehr motivierend. In Pokémon Schwert und Schild wurde diese Darstellung dann teilweise wieder anders gelöst.


Warum ein scheinbar monotones Format im Stream funktioniert
STFlow: Warum macht es Spaß, dieselbe Aktion möglicherweise Tausende Male zu wiederholen?
JanPlay: Zum einen finde ich viele Shiny-Varianten einfach schöner als die normalen Pokémon.
Als ich noch kompetitiv gespielt habe, wollte ich außerdem ein vollständiges Shiny-Team besitzen und damit antreten. Das war eine Möglichkeit, die eigene Sammlung zu zeigen.
Das Hunten selbst ist für mich aber auch eine entspannte Nebenbeschäftigung. Früher habe ich es häufig gemacht, während nebenbei ein YouTube-Video lief.
Irgendwann begann ich, diese Hunts zu streamen. Dafür eignet sich das Format besonders gut, weil ich währenddessen sehr viel mit der Community sprechen kann. Im Gegensatz zu einem konzentrierten Speedrun bleibt viel mehr Raum für längere Gespräche.
STFlow: Welches Shiny bedeutet dir am meisten?
JanPlay: Da gibt es mehrere.
Shiny Mewtu war ein besonderer Moment, weil ich es bereits nach 16 Resets bekommen habe. Nach der Cutscene erschien es einfach als Shiny – damit hatte ich so schnell überhaupt nicht gerechnet.
Ein weiteres Highlight im Stream war ein Shiny Schiggy in Pokémon Blattgrün. Dafür brauchte ich 559 Resets. Gerade in einem älteren Spiel mit sehr niedrigen Shiny-Chancen war das etwas Besonderes.
Und natürlich gehört auch Froxy dazu. Mit 3.469 Resets war das mein bislang längster Hunt.
Ich bin übrigens noch nie über die statistischen Odds gegangen. In dieser Hinsicht hatte ich bisher ziemlich viel Glück.
STFlow: Wie behältst du bei Tausenden Versuchen überhaupt den Überblick?
JanPlay: Dafür verwende ich eine Shiny-Hunt-App. Mit der kann ich jeden Versuch mitzählen und später genau sehen, wie viele Resets ich gebraucht habe.
Bekannte Namen, Dino-Nuggets und virtuelle Schläge
STFlow: Was macht deine Community für dich aus?
JanPlay: Es sind größtenteils sehr liebenswerte Menschen. Ich freue mich immer, wenn ich im Chat bekannte Namen sehe, weil ich dann schon weiß, dass es lustig wird.
Ein Beispiel ist Noel, der inzwischen auch Moderator bei mir ist. Er clippt alles, was er lustig findet, und ist definitiv einer der Top-Clipper des Kanals.
Viele interessieren sich sehr für die Speedruns. Bei den Shiny-Hunt-Streams entstehen dagegen häufig persönlichere Gespräche, weil ich dort mehr Zeit habe, ausführlich auf Nachrichten einzugehen.
STFlow: Gibt es Running Gags, die neue Zuschauer kennen sollten?
JanPlay: Einer ist vor einigen Monaten entstanden, als ich im Stream erklärt habe, dass Dino-Nuggets selbstverständlich aus Dinosauriern bestehen. Ein Zuschauer greift dieses Thema seitdem immer wieder auf.
Außerdem gibt es den Chat-Befehl !punch. Damit können Zuschauer anderen Personen im Chat virtuell eine auf den Deckel geben.
Besonders groß ist die Freude natürlich immer dann, wenn ausgerechnet JanPlay__ getroffen wird. Ich finde es selbst ebenfalls lustig.
Ein Geburtstag zwischen Feuerwerk und Community
STFlow: Welcher Moment mit deiner Community ist dir besonders in Erinnerung geblieben?
JanPlay: Mein Geburtstag ist am 1. Januar. Einmal habe ich direkt in meinen Geburtstag hineingestreamt.
Meine Eltern machen um Mitternacht Feuerwerk und gratulieren mir natürlich persönlich. Deshalb hatte ich für den Stream ein vorproduziertes Video vorbereitet. Darin gab es einen Countdown, verschiedene Clips und einen Rückblick auf das vergangene Jahr.
Während das Video lief, war ich bei meiner Familie. Als ich anschließend zum Stream zurückkehrte, wartete dort eine unglaublich liebe Stimmung im Chat auf mich.
Die Leute gratulierten mir, wünschten sich gegenseitig ein frohes neues Jahr und feierten gemeinsam. Das war ein wirklich schöner Moment.
Warum die Schule trotz Streaming Priorität behält
STFlow: Gab es schon einmal schlechte Noten, weil du zu viel gestreamt hast?
JanPlay: Nein. Wenn in der Schule etwas Wichtiges ansteht, plane ich bewusst genügend Zeit dafür ein. Schule hat für mich Priorität.
STFlow: Hilft dir das Streaming vielleicht sogar in der Schule?
JanPlay: Definitiv beim Präsentieren und beim freien Sprechen.
Vor ungefähr zwei Jahren haben wir ein Schulprojekt vorgestellt, an dem wir das gesamte Jahr gearbeitet hatten. Die Präsentation fand vor ungefähr 200 Menschen statt und war zusätzlich auf Englisch.
Ich stand auf der Bühne und war der Einzige aus meiner Gruppe, der komplett ohne Karteikarten präsentiert hat. Dabei hat mir die Erfahrung aus dem Streaming auf jeden Fall geholfen.
Der Traum von der Selbstständigkeit – mit einem realistischen Blick
STFlow: Welche Ziele hast du mit deinem Kanal?
JanPlay: Der Kanal ist ursprünglich aus dem Traum entstanden, irgendwann so zu werden wie die Creator, zu denen ich selbst aufgeschaut habe.
Über die Jahre habe ich allerdings immer wieder darüber nachgedacht, was das eigentlich konkret bedeutet. Ein großer Wunsch wäre es, mich irgendwann mit dem Streaming selbstständig machen zu können.
Mir ist aber bewusst, dass das ein sehr schwieriges Ziel ist und Erfolg in diesem Bereich nicht nur von Arbeit, sondern auch von einer Menge Glück abhängt.
Unabhängig von Zahlen möchte ich ein gutes Vorbild sein. Ich habe mir viele Gedanken darüber gemacht, was es bedeutet, ein Vorbild zu sein. Selbst wenn ich am Ende nur für eine einzige Person einen positiven Unterschied mache, wäre das für mich wertvoll.
Kreativität ohne KI und ein mögliches Mediendesign-Studium
STFlow: Stell dir vor, wir führen dieses Interview in fünf Jahren noch einmal. Worauf möchtest du dann stolz zurückblicken können?
JanPlay: Ich möchte sehen können, dass ich mich gestalterisch weiterentwickelt habe.
Meine Overlays und Emotes möchte ich selbst designen und zeichnen. Dabei verzichte ich bewusst auf den Einsatz von KI. Mir ist wichtig, diese Fähigkeiten selbst zu erlernen und Stück für Stück besser zu werden.
Nach der Matura könnte ich mir deshalb auch ein Mediendesign-Studium in Österreich vorstellen.
Schnellfeuer mit JanPlay
- Mario oder Pokémon? – Pokémon
- Speedrun oder Shiny Hunt? – Speedrun
- Nintendo oder PC? – Nintendo
- Frühaufsteher oder Nachteule? – Nachteule
- Kaffee oder Energy? – Keines von beidem
- Chat oder Konzentration? – Chat
- Persönliche Bestzeit oder Weltrekord? – Persönliche Bestzeit
- Casual oder Challenge? – Challenge
- Full Odds oder Masuda-Methode? – Masuda-Methode
- Lieblings-Mario-Spiel? – Super Mario Odyssey
- Lieblings-Pokémon? – Kyogre
- Lieblingskonsole? – Nintendo 3DS
- Ein Spiel, das jeder gespielt haben sollte? – LEGO Ninjago: Schatten des Ronin
- Ein Spiel, das völlig überschätzt wird? – GTA
- Größter persönlicher Gaming-Moment? – Die persönliche Bestzeit in Super Mario Odyssey
Mein Fazit zu JanPlay
Mit 19 Jahren bereits auf fast sechs Jahre Streaming-Erfahrung zurückblicken zu können, ist ungewöhnlich. Noch bemerkenswerter ist allerdings, wie reflektiert Jan mit seinem Hobby umgeht.
Er plant seine Streams um die Schule herum, setzt sich langfristige spielerische Ziele und nutzt die Zeit vor der Kamera gleichzeitig, um sich persönlich weiterzuentwickeln. Dass er inzwischen vor 200 Menschen auf Englisch und ohne Karteikarten präsentieren kann, zeigt, dass Streaming weit mehr vermitteln kann als den Umgang mit OBS und einem Twitch-Chat.
Inhaltlich hat Jan eine interessante Mischung gefunden. Speedruns bieten Präzision, sichtbaren Fortschritt und Spannung. Shiny Hunts schaffen dagegen den Raum für Gespräche, Insider und persönliche Community-Momente. Verbunden werden beide Formate durch seine Begeisterung für Nintendo und seine Freude daran, Wissen weiterzugeben – unabhängig davon, ob es gerade um Pokémon, einen Speedrun-Glitch oder einen österreichischen Dinosaurier geht.
Jan jagt nicht einfach nur Bestzeiten und seltene Pokémon. Er baut sich mit viel Geduld einen Ort auf, an dem Gaming, Neugier und Gemeinschaft zusammenkommen.
Bei JanPlay beginnt ein Stream vielleicht mit einem Speedrun oder einem Shiny Hunt. Bleiben möchte man aber wegen der Gespräche, des trockenen Humors und einer Community, die sich gemeinsam über Dinosaurier-Nuggets und virtuelle Schläge freut.
STFlow
Schaut bei JanPlay vorbei
Wenn euch das Interview neugierig gemacht hat, schaut bei JanPlay auf Twitch vorbei. Dort könnt ihr live miterleben, wie er an seiner nächsten Super-Mario-Odyssey-Bestzeit arbeitet, nach seltenen Shinys sucht oder gemeinsam mit seiner Community in die Welt von Nintendo eintaucht.
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Quellen
- Twitch-Kanal von JanPlay
- Linktree von JanPlay
- Öffentliche Streamübersicht bei TwitchMetrics
- Pokémon © Nintendo / Creatures Inc. / GAME FREAK inc. / The Pokémon Company. Alle Rechte vorbehalten. Bildquellen entstammen dem offiziellen Pressekit: https://pokemon.gamespress.com/
- Die verwendeten Bilder aus Super Mario Odyssey sind urheberrechtlich geschützt und gehören Nintendo. Sie werden ausschließlich zu Informations‑ und Berichterstattungszwecken im Rahmen dieses Blogartikels genutzt. Alle Rechte an Marken, Figuren und Bildmaterial liegen bei Nintendo Co., Ltd.
- MewTwo Shiny: https://pokemon.gishan.cc/static/i/pokemon/shiny-mewtwo.png – Pokémon © Nintendo / Creatures Inc. / GAME FREAK inc. / The Pokémon Company. Alle Rechte vorbehalten. Bildquellen entstammen dem offiziellen Pressekit: https://pokemon.gamespress.com/
- MewTwo (ohne Shiny): https://images.wikidexcdn.net/mwuploads/wikidex/archive/d/da/20150617185812!Mewtwo_SSB4.png – Pokémon © Nintendo / Creatures Inc. / GAME FREAK inc. / The Pokémon Company. Alle Rechte vorbehalten. Bildquellen entstammen dem offiziellen Pressekit: https://pokemon.gamespress.com/
- Shiny Hydropi: https://images.wikidexcdn.net/mwuploads/wikidex/3/3d/latest/20201026000517/Mudkip_EpEc.png – Pokémon © Nintendo / Creatures Inc. / GAME FREAK inc. / The Pokémon Company. Alle Rechte vorbehalten. Bildquellen entstammen dem offiziellen Pressekit: https://pokemon.gamespress.com/